Authentizität statt Perfektion …
Ich wollte damals nur einen ganz normalen Elternabend starten. Einfach: „Herzlich willkommen!“, so dachte ich.
Stattdessen kam raus: „Herzlichen Glückwunsch, dass Sie da sind!“.
Der Saal tobt – und ich wünschte, der Boden würde sich unter mir auftun. Nichtsdestotrotz ging das Leben weiter, und am nächsten Tag hatte ich gleich drei Gespräche zu diesem Ausrutscher, der mir eine schlaflose Nacht beschert hatte.
Bei meiner Arbeit fällt mir immer wieder auf – und bei mir selbst noch viel mehr: Je mehr Druck ich verspüre, desto mehr lässt die Konzentration nach. Zwischen Job, Kinderalltag und Wechselmodell zu jonglieren, ist eine echte Gratwanderung. Und in diesen Momenten zeigt sich, wer wir wirklich sind – nicht die Version, die wir gern wären.
Authentizität war für mich nicht immer selbstverständlich. Gerade in meiner Zeit als Führungskraft habe ich anfangs gedacht, ich müsse souverän wirken, egal wie unsicher ich innerlich war. Also tat ich so, als hätte ich alles im Griff. Als hätte ich auf jede Frage die passende Antwort. Als könnte ich alles überblicken.
Die Wahrheit: Das funktioniert vielleicht hin und wieder, aber es trägt nicht. Weder Teams noch Kinder noch Eltern lassen sich von aufgesetzter Souveränität beeindrucken. Menschen spüren, ob du echt bist.
Ich habe über die Jahre gelernt, dass ich immer weiter komme, wenn ich zeige, wer ich wirklich bin. Wenn ich zugebe, dass ich etwas gerade nicht weiß. Wenn ich eine Entscheidung transparent mache, statt sie perfekt klingen zu lassen. Wenn ich zu meiner eigenen Begrenztheit stehe und gleichzeitig klar bleibe.
Und mit jedem Mal, in dem ich authentisch war, wurde mein Gegenüber weicher. Verständlicher. Kooperativer. Vertrauen entsteht nicht aus Perfektion. Vertrauen entsteht dort, wo jemand mutig genug ist, echt zu sein.
Und irgendwann pendelt sich ein, dass man eben so ist, wie man ist. Nicht entschuldigt, nicht versteckt, sondern angenommen.
Und plötzlich steht man über den Dingen und erkennt: Ich muss nicht perfekt sein. Ich kann nicht alles kontrollieren. Ich muss nur bei mir bleiben, denn das öffnet Türen. Immer.
Und seien wir ehrlich: Es ist völlig egal, was andere denken.
Die, die mich mögen, gestehen mir Fehler ein und sagen: „Na, die hatte wohl Stress.“ oder: „Mensch, die könnte echt mal Urlaub gebrauchen.“
Und die, die mich be- oder verurteilen? Auf die kann ich pfeifen. Die brauche ich nicht. Ich mache mir keine Gedanken mehr über Menschen, die negativ über mich denken. Ich investiere meine Energie dort, wo sie Sinn macht.
Authentisch sein heißt für mich: das Leben annehmen. Mit all seinen schiefen Momenten, den verrutschten Sätzen, den Tagen, an denen nichts klappt, und den Tagen, an denen alles fließt. Nicht, weil es einfacher wird, sondern weil man aufhört, gegen sich selbst zu kämpfen.
Und weil man dadurch anderen erlaubt, auch sie selbst zu sein.
Also: Seid echt. Macht mal einen Fehlstart beim Elternabend.
Lacht über eure Pannen. Bleibt bei euch, wenn der Druck steigt.
Lasst euch nicht unterkriegen von Erwartungen, die niemand außer euch selbst gestellt hat.
Weil am Ende nicht Perfektion zählt. Es zählt Echtheit. Und die bleibt.
Herzlichst, eure Ute